Ezra BenGershom

Ezra Ben Gershom, Sohn eines Rabbiners, wurd 1922 geboren, lebte bis zur Grundschulzeit in der Bismarckstraße 3a in Heilbronn. Sein Vater war Rabbiner in der orthodoxen Synagoge in der Uhlandstraße ganz in der Nähe.

In seiner Autobiographie, die später preisgekrönt verfilmt wurde, beschreibt  Ben Gershom lebendig seine Kindheitserinnerungen in Heilbronn. Zeit seines Lebens verstand er sich als Heilbronner, obwohl er bereits 1929 mit seiner Familie nach Schlesien zog, später nach Berlin, wo er 1942 bis 43 auf abenteuerliche Weise illegal untertauchte, als Hitlerjunge verkleidet – und so als einziger seiner Familie mit viel Glück überlebte. Verkleidung und Drahtseilakt machten später seine Geschichte populär. Die Flucht über Wien und Budapest nach Palästina gelang 1943/1944. Sein schwäbischer Dialekt half ihm manchmal neben seiner Verkleidung.

Peter Lilienthal verfilmte 1979 die Autobiographie unter dem Titel „David“. Er gewann den goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele 1979. Dabei schöpft der Film das Potential des Stoffs bei weitem nicht aus.  Zudem verlegte Lilienthal leider den Ort der frühen Kindheit in eine andere Stadt, Heilbronn wird nicht genannt, doch die Filmszenen der Kindheit folgen dennoch erstaunlich genau den Beschreibungen der Heilbronner Zeit, bis in die Details wie dem Spiel mit der Gondel im Garten:

Die gutbürgerliche Wohnung des Rabbiners, wie sie BenGershom für Heilbronn beschrieb,  wird im Film genau gezeigt. Ezra, im Film David genannt, lernt mit seinem Vater Hebräisch, träumt dabei vom Spiel im Garten.

 

Der Film zeigt die kleine orthodoxe Synagoge seiner frühen Kindheit, ähnlich bescheiden muß Heilbronns zweite Synagoge, die orthodoxe Synagoge in der Uhlandstraße gewesen sein, in der sein Vater Rabbiner war.

 

Der junge David versucht sich anzupassen, das Anlegen der Schuluniform wird als tägliches Ritual gezeigt.

Dennoch wird er Zielscheibe seiner Mitschüler, die ihm auf dem Schulweg in der Bismarckstraße und Friedenstraße immer wieder auflauern und als „Judenstinker“ verprügeln.

Der Film zeigt diese Szenen,verändert jedoch ein Detail: in Wirklichkeit trugen die Mitschüler  ebenfalls gewöhnliche Schuluniformen. Die Darstellung im Film mit den HJ-Uniformen, die eher für die Zeit nach 1933 typisch waren, lässt vergessen, dass der Antisemitismus bereits in der Weimarer Republik stark war, denn Ben Gershom beschrieb diese Szenen für seine Heilbronner Kindheit bis 1929.

Ezra Ben Gershom liebte dennoch zeitlebens seine Heimatstadt Heilbronn, beschreibt in der Autobiographie ausführlich die Spaziergänge durch die Altstadt.

Kinoplakat ‚David‘ von Peter Lilienthal, 1979

BenGersom schrieb später ein Buch über jüdischem Witz – dieser half ihm zu überleben. Oliver Maria Schmitt hat das Buch einmal reszensiert (Der Esel des Propheten. Eine Kulturgeschichte des jüdischen Humors, EzraBen Gershom).

Die schönste Hommage schrieb ihm Hannes Stein: Er überlebte wie ein Traumtänzer

Sein Freund Primo Levi beschreibt  ihn darin als „Held nach der Art Chaplins …, unschuldig und schlau zugleich, immer einfallsreich, nie verzweifelt, schlechterdings unfähig zu hassen, Gewalt anzuwenden oder zu betrügen“.

Neben der Zusammenfassung von Hannes Stein ist das Original der Autobiographie am meisten zu empfehlen – die Verfilmung nach heutigen Maßstäben weniger gelungen (online bei Alleskino hier zu sehen).

Ben Gershom sollte in Heilbronn nicht vergessen werden. Und vielleicht gibt es in Zukunft eine neue Verfilmung seiner abenteuerlichen Odysee.

Das Haus seiner Kindheit in der Bismarckstraße 3a in Heilbronn hatte im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine tragische Geschichte. Im III.Reich wurde das Haus der jüdischen Gemeinde vom Nazi-Regime zum sogenannten „Judenhaus“ erklärt, in dem viele jüdische Mitbürger zeitweise zwangsweise leben mussten, bevor sie deportiert oder  in die Emigration getrieben wurden. Mehr dazu hier in der Studie Mut zur Erinnerung, Kapitel Bismarckdenkmal

Zeitsprünge schlägt vor, das Bismarckdenkmal gegenüber dem ehem. Judenhaus abzubauen und den Platz umzugestalten, zu einem Ort der Begegnung der Ezra BenGershom gewidmet ist.

Mehr dazu hier

 

 

 

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Weiterführendes Material

Es gibt eine Interviewreihe mit Ezra BenGerhsom in hebräischer Sprache, in dem er auch über seine Kindheit in Heilbronn spricht – wer könnte es übersetzen oder untertiteln?

https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn502597

 

 

 

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