Ludwig Pfau

März 1848: die Bürger wollen Demokratie

 

Ludwig Pfau vor 1884, Foto Brandsef, gm, wiki

Ludwig Pfau (1821-1894) ist die große Symbolgestalt der Demokratiebewegung 1848 aus Heilbronn, ein liberaler Revolutionär, Dichter, Satiriker.

Er gründete 1848 die erste Satirezeitschrift in Deutschland, den Eulenspiegel. Manche Zeitungen veröffentlichten gelegentlich Karikaturen, doch eine reine Satirezeitschrift,  das war neu.

Eulenspiegel, StA Hn

Eulenspiegel StA Hn

der schwäbische Merkur schwebt über Heilbronn

Eulenspiegel 1848 p1

Der Gott des Handels und der Diebe in  Pantoffeln, mit einem Geldsäckel in der Hand, hält die Fahne der Revolution hoch – ob das gutgehen kann? Der ’schwäbische Merkur‘ war eine große Tageszeitung in Württemberg.

 

die Hoffnung stirbt zuletzt

Eulenspiegel 1848  p1

 

Ludwig Pfau wurde 1821 in Heilbronn geboren. Bereits sein Vater förderte den freien Geist des Jungen – Ludwig Pfau widmete diesen Kindheitserinnerungen  später ein Gedicht:

„…das rote Haus blickt sonnenwarm hervor…wie hast du mich in stillen Gartenlanden, du kluger Gärtner, liebevoll gehegt! Wie deine Blumen sonder Zwang und Banden, mit Licht und Luft und Freiheit großgepflegt!…“

Mit 18 Jahren ging Ludwig Pfau  nach Frankreich, lebte zeitweise in Paris, um Kunst und Literatur zu studieren. Er malte, zeichnete, schrieb und übersetzte für seinen Lebensunterhalt. Die Wehrpflicht brachte ihn 1841 nach Heilbronn zurück. Ein Studium der Philosophie in Tübingen folgte. Hegel war der Philosoph der Zeit. Mit 26 Jahren erlebte Pfau  den Vorabend der Revolution in Baden 1847, als er an die Universität Heidelberg wechselte. 1848 war er mittendrin, auf der Höhe der Zeit. Er schrieb nicht nur Satiren, sondern auch an der württembergischen Verfassung mit. 1848 gründete er  den Eulenspiegel in Stuttgart und wurde in den Vorstand der Landesversammlung berufen, die mit der Ausarbeitung der Verfassung betraut war. Der König erkannte die Grundrechte und die Verfassung an, ein erster Erfolg. Doch die Freiheit starb ein Jahr später unter den Bajonetten: die monarchischen Herrscher drehten 1849 das Rad zurück, Pfau wurde jetzt wegen Hochverrat verfolgt. Er flüchtete nach Heidelberg, ins freie Baden. Von Bad Wimpfen aus sollte Ludwig Pfau mit badischen Revolutionstruppen in Heilbronn einfallen und die alte Reichsstadt befreien.

 

badische Revolutionsflagge 1848

wiki CC BY SA 3.0

 

Hecker, Kossuth, Garibaldi: die Idee von Freiheit und einem Europa brüderlicher Nationen war die Vision.

zeitgenössische Darstellung, CC BY SA 3.0 wiki Nachkolorierung jp

 

 Badischen Revolution: das „Gefecht auf der Scheideck“ brachte die Niederlage wiki

Ludwig Pfau und seine Truppen in Bad Wimpfen erkannten bald, wie aussichtslos die Lage war. Die Soldaten des Königs aus Stuttgart konnten schnell  mit der neuen Eisenbahnlinie eintreffen. Pfau flüchtete mit den Seinen in die Schweiz.

Oben: ein  preußischer Soldat kehrt die demokratischen Revolutionäre in die Schweiz. Neben dem Besen ist die zerzauste Vogelscheuche des ersten deutschen Parlaments in der Paulskirche zu sehen. Frankreich zeigt auf die Auswanderer, die mit dem Schiff nach Amerika fliehen (Rundgemälde Europas von Ferdinand Schröder in den Düsseldorfer Monatsheften 1849).

 

Der Galgen steht schon im Hintergrund: der Demokratenfänger im Eulenspiegel 1849

Eulenspiegel 1848/49 p1

 

In Abwesenheit wurde Ludwig Pfau  zu 21 Jahren Haft verurteilt.

 

Das Ende vom Lied

aus dem Eulenspiegel 1849  p1

 

Friedrich Wilhelm IV von Preußen thront auf Leichen

aus:  Deutsche Reichs-Bremse 1849  CC BY SA 3.0 wiki

 

Ludwig Pfau wurde immer wieder zensiert, verhaftet, verurteilt.

aus dem Eulenspiegel 1848 p3

 

In der Zeit des Exils ging Ludwig Pfau  1852 nach Paris, nahm sein Kunststudium wieder auf, wurde redaktioneller Mitarbeiter der Tageszeitung Le Temps, arbeitete als Übersetzer. Heinrich Heine zählte zu seinen Pariser Freunden.

Mit der Amnestie 1863 kam er nach Württemberg zurück und gründete mit Freunden  1864  die Volkspartei, die vier Jahre später bei den Wahlen Erfolge erzielen konnte. Pfau war ein leidenschaftlicher Gegner des Krieges  1870/71 und der Bismarckpolitik. Das brachte ihn noch mehrmals ins Gefängnis. Doch auch sein internationaler Ruf wuchs.

Ludwig Pfau interessierte sich für neue Medien wie die Fotografie. Auf recht moderne Weise diskutiert er dabei gesellschaftlichen Wandel, Philosophie, Ästhetik, Technik.

Er nahm starken Einfluss auf  Denkmäler in Heilbronn – dazu bald ein eigenes Kapitel.

Wahlspruch von Ludwig Pfau:

Magnis suberbus – parvis modestus

Stolz gegen die Großen – Bescheiden gegen die Kleinen

 

 

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Fußnote zu Bildnachweisen

p1: aus dem Eulenspiegel 1848 / 49 , Klassik Stiftung Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek , Signatur F 1573

p3 Eulenspiegel 1848, Nr. 9, Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Karikatur „Rothe Monarchie“:   Deutsche Reichs-Bremse Nr. 18, 1849, S. 72