Hellmut Riegraf

Heilbronner Widerstand im III. Reich: die  Kaiser/Riegraf-Gruppe gehörte zu den aktivsten der Stadt.  Hellmut Riegraf (1909-1988) war der Sohn des SPD-Stadtrats Ernst Riegraf.  Mit 22 Jahren trat er der KPD bei. Er wollte Lehrer werden, erhielt jedoch 1933 Berufsverbot. Nachdem  Schlägertrupps der Nationalsozialisten seinen Vater 1933 auf dem Weg in den Stadtrat zusammengeschlagen haben, ging der Sohn in den Widerstand, gemeinsam mit dem Ehepaar Sascha und Karl Kaiser, unterstützt durch  Walter Vielhauer, der von der Schweiz illegale Schriften mitbrachte.  1938 wurde Hellmut Riegraf zu mehr als drei Jahren  Gefängnis verurteilt.

stills aus der Doku „Erinnerungen an ein anderes Heilbronn“

Zeitsprünge Heilbronn hat alte Interviews mit Hellmut Riegraf wiederentdeckt – 4 Stunden Rohmaterial für den Dokumentarfilm „Erinnerung an das andere Heilbronn“ aus dem Jahr 1985. Herzlichen Dank an den Produzenten Christian Müller-Gebhard aus Heidelberg, dass wir die Ausschnitte hier zeigen können.

 

Über den  Reichstagsbrand und die Folgen

 

SPD-Stadtrat Ernst Riegraf wird  1933 vor dem Heilbronner Rathaus angegriffen – der Sohn beschreibt,wie die Nationalsozialisten im liberalen Heilbronn mit besonderer Härte vorgehen.

Nachdem sein Vater von Schlägern  attackiert wurde, fragte Hellmut Riegraf den Anwalt Siegfried Gumbel um Rat.

 

Hellmut Riegraf erlebt am 1. Mai 1933, wie dem Regime die schnelle Gleichschaltung der Gesellschaft gelingt – und am 2. Mai viele Verhaftungen folgten.

 

Sein Freund Walter Vielhauer, der bereits zwei Tage nach dem Reichstagsbrand als Kommunist in Haft kam,  erlebte bereits 1933 auf dem Heuberg den Beginn der Konzetrationslager.  Vielhauer verfasste später eine Geheimschrift, die im Ausland über die Schrecken dieser neuen Lager aufklären sollte. Hellmut Riegraf schmuggelte die Schrift  auf abenteuerliche Weise in die Schweiz, wo sie erfolgreich veröffentlicht werden konnte.

Plakataktionaktion 1936: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg“ – die Widerstandsgruppe um Hellmut Riegraf und dem Ehepaar Sascha und Karl Kaiser plakatieren in einer Nacht in ganz Heilbronn gegen die Krieg.

 

Nach 1945 holte Oberbürgermeister Beutinger Hellmut Riegraf ins Rathaus, er wurde Leiter des Arbeitsamtes bis 1946. Riegraf war enttäuscht über die verschleppte Entnazifizierung in Heilbronn und ging 1947 nach Potsdam, um zu promovieren und Geographie in Hochschulen an Potsdam und Berlin zu lehren. Gegen Ende seiner Berufslaubahn wuchsen seine Spannungen zum SED-Staat, nach der Pensionierung kehrte er in seine Heimatstadt zurück.

 

Siehe auch Kapitel Karl und Sascha Kaiser – Kapitel Walter Viehauer

 

Quellen:

Markus Dieterich: Es kann uns den Kopf kosten. Antifaschismus und Widerstand in Heilbronn 1930–1939. Distel-Verlag, Heilbronn 1992

Biographie von Hellmut Riegraf auf Wikipedia

Die Kaiser/Riegraf-Gruppe auf Wikipedia

v2 „Erinnerungen an das andere Heilbronn“, Dokumentarfilm 1985 von der Gruppe Schrägspur Heidelberg in Kooperation mit der GEW Heilbronn, verantwortlich Christian Müller-Gebhard. Interviews mit Hellmut Riegraf und Walter Vielhauer. 4 Stunden  Rohmaterial zu diesem Film konnte für die Recherche gesichtet werden, zur Verfügung gestellt vom Produzenten Christian Müller-Gebhard.

Die Ausschnitte der Interviews wurden teils mit Archivbildern ergänzt.

Biographie von Oskar Dirlewanger

 

unterstützt von:

Stadtinitiative Heilbronn – Intersport Saemann – Sparkasse Heilbronn  – A. Grimmeissen – Volksbank Heilbronn -M. Lindenthal

weitere Kapitel über den interaktiven Stadtplan

 

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