Karl und Sascha Kaiser

Quelle: rs

„Hitler bedeutet Krieg! “ plakatierten Sascha und Karl Kaiser 1936 mit Ihrer Heilbronner Widerstandsgruppe 90. Die Gruppe wurde später von der Gestapo gefasst, Sascha Kaiser musste vier Jahre ins Gefängnis, Karl kam nach 10 Monaten frei.

Diese Abschrift des Urteils  trägt das Datum 31. August 1939 – einen Tag vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges. 83

Am 13.6.1939  wurde das Urteil gesprochen, am 31. 8.1939 die beglaubigte Abschrift angefertigt, die jetzt Bundesarchiv liegt.  DY 30-IV 2/11/V 4275.

Die Widerstandsgruppen in Heilbronn hatte Markus Dieterich bereits in seinem Buch „Es kann uns den Kopf kosten“ ausführlich behandelt.  Doch ansonsten wusste man in Heilbronn bisher wenig über zwei bedeutende Vertreter des Widerstands, Karl und Sascha Kaiser – bis am 19. Mai 2017 Martin Scheele aus Berlin im Sozialen Zentrum Käthe seine privaten Forschungen vorstellte – persönliche Erinnerungen, Materialien aus dem Nachlass und Archiven.

Es zeigt ein neues, lebendiges Bild von Karl und Sascha Kaiser – Mut und Weltoffenheit, wie es gerade Heilbronn braucht – auch heute noch.

Sascha Kaiser lebte in den 20er Jahren in Berlin (damals noch unter ihrem Geburtsnamen Sophie Witkowski) mit ihrem ersten Lebensgefährten Wilhelm Herzog. Sie war befreundet mit Erich Maria Remarque, bekannt mit den Schriftstellern Heinrich Mann, Klaus Mann, Erich Mühsam, Ernst Toller, Klabund und B. Traven (Ret Marut). Von Arnold Zweig ist noch eine Widmung an Sascha erhalten.  In ihre Berliner Wohnung kamen Willy Brandt, Clara Zetkin, Ernst Thälmann, John Heartfield. Sie verkehrte mit Künstlern wie George Grosz und Max Pechstein, den Regisseuren Erwin Piscator und Erich Engel, Berlins späterem Bürgermeister Ernst Reuter (anfangs Kommissar der KPD). Rosa Luxemburgs langjähriger Liebhaber Kostja Zetkin war ein enger Freund, seine Mutter Clara Zetkin gab ihr den Namen Sascha. Sie kannte und unterstützte den französischen Pazifisten Henri Barbusse, der mit Romain Rolland eine große Friedensbewegung unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges gründete.

unten: Sascha mit ihrem ersten Lebensgefährten, Wilhelm Herzog

Quelle: Martin Scheele

Sascha Witkowski trat mit 19 Jahren in den Spartakusbund ein, arbeitete ab 1919 beim Forum Verlag, der sich bereits in der Kaiserzeit offen gegen Militarismus und Nationalismus aussprach, für Demokratie und ein vereinigtes Europa. Sie wurde in dieser Zeit Lebensgefährtin des Herausgebers der Zeitschrift,  Wilhelm Herzog, der bereits 1914/15 britische Pazifisten wie George Bernhard Shaw und Bertrand Russell in seiner Zeitschrift publizierte. Wilhelm Herzog förderte auch den Expressionismus, war mit Wedekind befreundet. Seine erste Frau, der Filmstar Erna Morena, spielte die Hauptrolle in einer Verfilmung von Wedekinds Lulu im Jahr 1917 und war der Star von weiteren Filmen von  Murnau und Papst.

Stummfilmstar Erna Morena um 1925, Fotograf Alexander Bender, gemeinfrei wikipedia

Der legendäre Film „Tagebuch einer Verlorenenen“ mit Louise Brooks von 1929 war bereits 1918 mit Erna Morena in der Hauptrolle gedreht worden. Im November des selben Jahres beteiligte sich Herzog an der Räterepublik in München, sein Freund Kurt Eisner wurde Ministerpräsident und holte ihn für die Leitung des „Presse- und Propagandabüros“.

Eisner rief am 8. November 1918 Bayern zum Freistaat aus.  Bayern ist es bis heute geblieben. Das man ihm es nicht danken würde, wusste Eisner und kommentierte es Februar 1919 gelassen, „man kann mich ja nur einmal erschießen“. So geschah es dann noch am selben Tag, beim Attentat von Rechtsradikalen am  21. Februar 1919.

Wilhelm Herzog: konsequent unabhängig

1920 traf Herzog in Moskau Maxim Gorki und Lenin auf der Komintern. Lenin fragte ihn damals: „Sie selbst sind unabhängiger Sozialist?“ – „Ja“, erwiderte Herzog, „aber auch unabhängig von den Unabhängigen.“ Später legte sich Herzog in Deutschland mit dem linken Pressemogul Willi Münzenberg an (den er einen roten Hugenberg nannte), wurde darauf 1928 mit Parteiausschluss geadelt (Willi Münzenberg  folgte ihm 1939, als dieser selbst von Stalins Terrorherrschaft genug hatte).

Komintern 1920, Fotograf Viktor Bulla, gemeinfrei, wikipedia

Bild oben: Komintern 1920 –  Maxim Gorki steht hinter Lenin (Mitte). Karl Radek (links) betreute Wilhelm Herzog.  Gemeinsam mit Nikolai Bucharin (dritter von links) gehörte Radek zu einflussreichen Stimmen des Komintern 1920, bis sie einige Jahre später der Verfolgung unter Stalin zum Opfer fielen.

Die junge Sascha Witkowski hat den Erzählungen nach Geschichte hautnah erlebt: von der Münchner Räterepublik bis in Stalins Vorzimmer im Kreml, sie erlebte den Wahnsinn in Hotel Lux, Konflikte der Linken in Südamerika, später die Machtergreifung der Nazis in Heilbronn, Widerstand im Dritten Reich, Verfolgung und Gefangenschaft. Nach dem Krieg war sie selbst maßgeblich an der Entnazifizierung von Justiz und Verwaltung in der DDR beteiligt, half Verfolgten der Naziherrschaft.

Ausschnitt aus den Gerichtsakten zu Sascha Kaiser 1939, Widerstand in Heilbronn:

Bundesarchiv DY 30-IV 2/11/V 4275

Aus dem Gerichtsurteil zu vier Jahren Haft 1939:

„Bei der Strafzumessung … erschwerend zu berücksichtigen … durch ihre Intelligenz und einnehmendes Wesen gefährliche Betriebsamkeit“

Sascha Kaiser, Quelle rs

Mit ihrem ersten Lebensgefährten Wilhelm Herzog unternahm sie eine Reise nach Südamerika (1923) und in die Sowjetunion (1924/25), wo Herzog Stalin interviewte.

auf dem Schiff nach Argentinien 1923

rechts unten W. Herzog, links von ihm Sascha  – Quelle: Martin Scheele

1926 lebte das Paar einige Monate in Frankreich. Sascha begegnete Malern, Bildhauern, Schriftstellern. Herzog arbeitete damals mit dem avantgardistischen Theatermacher Piscator zusammen, die Distanz zur KPD wuchs.

In dieser Zeit erkrankte Sascha schwer an Tuberkulose, ein Lungenflügel wurde später entfernt. Ihr Weg führte sie in das prominente Sanatorium Davos in der Schweiz – dort traf Sie erstmals Karl Kaiser. Sie lasen gemeinsam den Zauberberg von Thomas Mann und kamen sich näher.

Quelle: Martin Scheele

Bild oben: Sascha und Karl Kaiser frisch verliebt in Davos

In der Biographie des Heilbronner Unternehmersohns Karl Kaiser, geboren im Jahr 1900,  deutet zunächst nichts darauf hin, dass er später mit einer Revolutionärin durchbrennen würde.

Quelle: Martin Scheele

oben: Karl Kaiser als Kind in kaiserlicher Uniform

Sein Vater gründete die Kaiser & Otto Aktiengesellschaft, die Knorr in Heilbronn Konkurrenz machte und mit dem Militär als einer der Großkunden wohlhabend wurde.

Karl Kaiser ging auf das Realgymnasium in Heilbronn (heute Robert-Mayer-Gymnasium)

Karl Kaiser durch Kolorierung hervorgehoben, Eingang der Schule ca. 1911 und 2017 in Überblendung, Quelle historische Aufnahme Martin Scheele, Foto 2017 und Collage J. Peter

Inschrift: „Das Landwehr Inf. Regiment seinen Gefallenen 1914-18“, Foto jp

Noch heute stehen Soldaten mit Stahlhelm und Handgranate (Kriegsdenkmal) vor der Schule und blicken auf diesen Eingang.  An den ehemaligen Schüler, der sich gegen Diktatur und Krieg engagierte, erinnert sich die Schule nicht – bislang.

Der junge Karl Kaiser, Quelle: Martin Scheele

Karl Kaiser war im Studium in einer schlagenden Verbindung und hatte 12 Schmisse. Bei den späteren Verhören der Gestapo half ihm das, wie Martin Scheele berichtete. Der Weg in die schlagende Verbindung wurde schon im Realgymnasium geebnet, in der sich Ehemalige im Stil einer Verbindung formierten, mit Wappen und treudeutschem Motto, „furchtlos und treu“.

Postkarte der Ehemaligenvereinigung des Realgymnasiums, (112)  StA Hn, CC-BY-SA 3.0

Karl Kaiser studierte Jura, trat später in die Firma seines Vaters ein, die in der Weltwirtschaftskrise bankrott ging, wurde Referendar am Gericht in Heilbronn, unterstützte maßgeblich den Widerstand gegen das Dritte Reich in der Stadt, beeinflusst durch seine Frau, die einen tiefgreifenden  Wandel in seinem Leben auslöste.

Titelblatt der Zeitung der KPO von 1929

 

Sascha Kaiser war der aktive Part in der Widerstandsgruppe, wie auch im Interview mit Hellmut Riegraf aus den 80er Jahren hervorgeht. Die legendäre Plakataktion “Hitler bedeutet Krieg“ wurde von ihr angeleitet. Sie kam auch deutlich länger ins Gefängnis als ihr Mann (Verurteilung zu 3 Jahren und 9 Monaten).

Karl Kaiser verbrachte 10 Monate im Gefängnis, kam am Ende dank der Verschwiegenheit der anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe, die ihn entlastet haben, wieder frei. Nach 10 Monaten Schutzhaft folgte überraschend Freispruch mangels Beweisen. Karl Kaiser  gelang es danach, im Schatten des Dritten Reiches zu überleben, eine erneute Verhaftung immer vor Augen. Er wurde Steuerberater und  Wirtschaftsprüfer bei Röhrsheim-Berlin und in den Filialen Wien und Karlsbad,  holte 1942 seine Frau nach der Entlassung aus dem Gefängnis nach Berlin und half, sie vor dem KZ zu bewahren, das sie als Halbjüdin  und Gründerin einer Widerstandsgruppe sicher erwartet hätte.

Nach 1945 blieb das Ehepaar in Berlin. Karl Kaiser entwickelte nach 1945 die Steuergesetzgebung der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR wesentlich mit und war bei der Ausgestaltung der Auslandsverträgen der DDR beteiligt.

Karl und Sascha Kaiser um 1948 in Berlin, Quelle: rs

Sophie (Sascha) Witkowski stammte  von  einer adeligen Familie ab, ihre Mutter wurde als  Karoline von Berg in Weimar geboren, wo 100 Jahre zuvor auch Gräfin Caroline Frederike von Berg aufwuchs, die mit Schiller und Goethe verkehrte. Über die direkten Vorfahren ihrer Mutter ist aber nichts überliefert, da Sascha bereits sehr früh den Kontakt mit der Familie abbrach. Ihre Mutter heiratete den jüdischen Kaufmann Witkowski, gemeinsam hatten sie neun Kinder. Sascha wurde in Erfurt geboren, wuchs in München und Hamburg auf.

Sophie (Sascha) Witkowski als Schülerin, Quelle: rs

1937 – Karl und Sascha Kaiser – Quelle: Privatarchiv und homepage soziales Zentrum Käthe

Sascha und Karl Kaiser vereinen viele Widersprüche in ihrer Biographie: Saschas Mutter kam aus dem Adel, Karl aus einer Heilbronner Industriellenfamilie und war Mitglied einer schlagenden Verbindung, beide wurden unter dem Eindruck der sozialen Probleme nach dem ersten Weltkrieg Sozialisten.

Sascha und Karl Kaiser waren der Auffassung, dass die Spaltung der Opposition zu Hitler in der ausgehenden Weimarer Republik den Aufstieg Hitlers ermöglichte. Sie legten großen Wert darauf, dass in ihrer Widerstandsgruppe alle Gruppierungen der Opposition zusammenarbeiteten. Versöhnung und ein Vereintes Europa waren Leitbilder, die Sascha Kaiser bereits mit ihrem ersten Lebensgefährten Wilhelm Herzog vertrat.

Sascha und Karl Kaiser 1931 – Quelle: rs

Die Fotografie oben von 1931 zeigt das enge Verhältnis von Sascha und Karl Kaiser – das ihnen fast einmal zum Verhängnis wurde. Als beide in Haft kamen, stellte die Gestapo eine Falle (vor der sie aber gewarnt wurden). Aus den biographischen Notizen von Martin Scheele dazu:

„Ein anderes Mal gab derselbe Beamte Karl den eindringlichen Hinweis, am nächsten Vormittag bei einem Gefangenentransport unter keinen Umständen seinen Platz zu verlassen. Sonst liefe er Gefahr, erschossen zu werden. Es war von der Gestapo eine tödliche Provokation geplant worden. Auf diesem Gefangenentransport trafen scheinbar zufällig nach mehreren Wochen erstmals wieder Sascha und Karl zusammen. Hätten die beiden spontan, von Emotionen getrieben, ihre Plätze verlassen, wäre das als Fluchtversuch interpretiert worden. ‚Auf der Flucht erschossen’, wäre die Folge gewesen.“

aus: Martin Scheele, „Sascha und Karl Kaiser – Erinnerungen und biographische Notizen“.

Foto: Joo Peter

Oben: Heilbronner Treffpunkt der Widerstandsgruppe im Dritten Reich, das Haus von Sascha und Karl Kaiser in der Dittmarstraße 5 in Heilbronn.

Gegen Ende ihres Lebens wollte das Ehepaar nochmals nach Davos, wo sie sich kennen gelernt hatten. Doch Ostberlin gab ihnen keine Reisegenehmigung dazu. Karl Kaiser hatte noch ein großes Erbe in Heilbronn, Devisen auf der Bank, von denen er kaum Gebrauch machte, wie Martin Scheel berichtete. Sehr selten reiste er in den Westen, um das Erbe zu verwalten. Hellmut Riegraf, ihr Weggefährte aus dem Heilbronner Widerstand, der später Geographie in Potsdam lehrte, verließ nach Beginn seines Ruhestandes die DDR, kehrte nach Heilbronn zurück. Doch Karl und Sascha Kaiser wollten trotz mancher Schikanen in der DDR nicht zurück. Die Erinnerungen an Heilbronn waren wohl nicht die besten.  Den Fall der Mauer haben sie nicht mehr erlebt.

_______________

Mit herzlichem Dank an Martin Scheele und Familie Skroblin.

 

Siehe auch Kapitel Walter Vielhauer  – Kapitel Hellmut Riegraf

 

 

Quellen:

Quelle rs: Fotos aus dem Privatarchiv von R. Skroblin.

 

Buchempfehlung: Es kann uns den Kopf kosten – Antifaschismus und Widerstand in Heilbronn 1930-1939, Markus Dietrich, Distel Verlag

Artikel über Wilhelm Herzog von Martin Scheele  in „Das Blättchen“

Unten: Biographien (Auszüge)  aus „Sascha und Karl Kaiser – Erinnerungen und biographische Notizen“ von Martin Scheele

Quelle: Martin Scheele

Biografie von Karl Kaiser

geboren am 9.7.1900 in Heilbronn,

Vater Fabrikant Carl Kaiser (1869-1933), ändert später Vornamen in Karl, Mutter Else Kaiser, geb.Otto (1878-1957)

Carl Kaiser und der Apotheker Hermann Otto (1949-1932), Vater von Else Kaiser, gründeten 1900 die Nahrungsmittelfabrik Otto&Kaiser (ab 1918 Neugründung Kaiser&Otto AG)

Besuch des Realgymnasiums

vom 1.7. -31.12.1918 Kanonier in der Gebirgsartillerie in Sonthofen/Allgäu (wahrscheinlich kein Kriegseinsatz)

1919 -1923 Studium des Rechts und der Volkswirtschaftslehre in Heidelberg, Kiel, München,

Freiburg, und Tübingen, erfolgreiches Assessorexamen

1924 kaufmännischer Lehrling in einer Nahrungsmittelfabrik in Landshut, Bayern

(Karl Kaiser war stolz auf seine damals seltenen praxisorientierte Ausbildung, die ihm einen  beruflichen Aufstieg ermöglichte)

1924 Volontär in der Danat Bank in Stuttgart, Besuch der Weltausstellung in London (eine Woche)

1925-1928 TBC Erkrankung, Aufenthalte in Arosa und ab 1926 in Davos

Lernt 1926 in Arosa Sascha Witkowski kennen

1928 im Dezember heiraten Sascha Witkowski und Karl Kaiser, Karl Kaiser wird Mitglied der  Kommunistischen Partei Opposition (KPO)

1928-1931 Prokurist in der Kaiser&Otto A.G.-Berlin, Wohnung in der Barbarossastraße

(Schöneberg), Leiter der Ortsgruppe Schöneberg der marxistischen Organisation A.F.C (Bildungsverein mit Themen, wie Familienplanung, Schwangerschaftsabbruch u.a.)

1930 an der Universität Tübingen erfolgreicher Abschluss seiner rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Dissertation zum Thema: ‚Zum Problem der Wechselbegebung in bezug auf das zugrundeliegende Rechtsgeschäft‘

1932 Prokurist in der von seinem Vater neu gegründeten Nahrungsmittelfabrik Kaiser und Co.,

G.m.b.H., Heilbronn, Umzug von Berlin nach Heilbronn

1933-1935 Referendar am Amts- und Landgericht Stuttgart (in einem anderen Lebenslauf steht Justiz Heilbronn)

1936-1939 Justitiar in Steuersachen bei der Rheinisch Treuhand-Gesellschaft A.G. In Mannheim

Umzug nach Mannheim, 1936 erste Verhaftung

1938 endgültige Verhaftung am 18.August

1939 Hauptverhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Freispruch wegen Mangel an Beweisen, Verbleib in Schutzhaft, Entlassung nach insgesamt 10 Monaten Haft wegen erneuter TBC Erkrankung, Bruder Heinz Kaiser bricht jeden Kontakt zu Karl ab (eine spätere Versöhnung muss stattgefunden haben, dies belegen Urlaubsfotos des Bruders von 1966, Heinz Kaiser stirbt 1967)

1939-1945 Karl Kaiser darf nicht als selbständiger Steuerberater arbeiten. Er wird Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei Röhrsheim-Berlin, Reiseverbot in die okkupierten Gebiete, Filialleiter in Wien und Karlsbad. Erhält den Status u.k. (unabkömmlich-bedeutet keine Einberufung zur Wehrmacht).

Nach der Haftentlassung von Sascha Kaiser 1942 Umzug nach Berlin-Lankwitz, Beethovenstraße. Unmittelbar vor Kriegsende eine Nacht Dienst als Volkssturmmann.

1945 sowjetische Besatzung setzt Karl Kaiser als Unterbezirksbürgermeister Berlin-Lankwitz ein.

Dezember amerikanische Besatzung strukturiert um und entlässt Karl.

1946 selbständiger Steuerberater

1947-1948 Leiter der Hauptabteilung Steuern der Deutschen Zentralverwaltung für Finanzen (in der sowjetischen Besatzungszone), Umzug nach Lichterfelde in die Hartmannstraße

1948-1949 Leiter der Hauptabteilung Steuern der Deutschen Wirtschaftskommission, 1949 Umzug in den sowjetischen Sektor von Berlin, nach Berlin-Johannisthal, Herrenhausstraße

1949-1953 stellvertretender Leiter der Abgabenverwaltung des Ministeriums für Finanzen

1953-1958 als Jurist am staatlichen Vertragsgericht

1958-1965 Verantwortlich für Kontrolle, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung halbstaatlicher Betriebe und Produktionsgenossenschaften,

1960 Vaterländischer Verdienstorden in Bronze

1965 Beginn der Rentenzeit, Vertrag als freier Mitarbeiter im Ministerium für Finanzen

1967 Karl Kaiser beendet sein Berufsleben, Vaterländischer Verdienstorden in Silber

22.12.1986 Karl Kaiser stirbt im Krankenhaus Köpenick und wird im ‚Ehrenhain für die antifaschistischen Widerstandskämpfer und Kämpfer für den Aufbau des Sozialismus‘ in Berlin Baumschulenweg in der Kiefholzstraße neben seiner Frau Sascha beigesetzt.

Biografie von Sascha Kaiser

Sascha Kaiser, Quelle rs 

21.10.1899 geboren als Sophie Witkowski in Erfurt

Mutter Karoline (Lina) Witkowski, geb. von Berg (1874-1960), Vater Kaufmann Max Witkowski

(1864-1934), neun Geschwister

1899 – 1903 Wohnort Weimar

1903 Umzug nach München in die Tengerstraße, vier Jahre Besuch der Grundschule und der Töchterschule

1913 Die Arbeitsstelle des Vaters wird nach Hamburg verlegt, Umzug der Familie

1916 mit 16 Jahren endet für Sascha der Schulbesuch 

Übergangsweise Arbeit im elterlichen Haushalt. Mit 17 Jahren Beginn des Volontariats beim Berliner Verlag R. v. Decker (juristische Schriften)

1917 Sascha wohnt in Berlin Pankow, in der Parkstraße, Arbeit bei der Reichsbahn, Volontariat beim Berliner Verlag R. v. Decker (juristische Schriften)

1918 Rückkehr nach Hamburg, Oben Borgfelde  (es ist unbekannt, ob in das Elternhaus),

Arbeit in einem chemischen Labor als Bürofrau und Bibliothekarinbis 1921

Eintritt in den Spartakusbund 

1919 Eintritt in die KPD, Beginn der Tätigkeit im Forum Verlag von Wilhelm Herzog,

Aufenthalt in München zur Zeit der Räterepublik

1920 Umzug nach Berlin in die Derfflingerstr., Beginn der Tätigkeit im Forum Verlag als Verlagsleiterin von Wilhelm Herzog

1921 Beginn der Tätigkeit im Forum Verlag von Wilhelm Herzog

1923 August – Oktober gemeinsam mit Wilhelm Herzog Schifffahrt von Bremen nach Buenos Aires und zurück, dreiwöchige Haft in Buenos Aires

1924 Im Herbst als Sekretärin von Wilhelm Herzog Reise in die Sowjetunion. Rückkehr im Frühjahr 1925

1926 Herzog und Sascha reisen im Januar nach Südfrankreich in den Badeort Bandol, TBC – Erkrankung,  war der Beginn der Erkrankung 1925, was auch im Widerspruch zur der Publikation von Frau Carla Müller-Feyen, siehe S.373 steht)

Kur in Arosa, Zusammentreffen mit Karl Kaiser

1927 im Sommer Lungenoperation in Berlin, ein Lungenflügel wurde entfernt. Danach Kur in Davos, Sanatorium Stolzenfels, gemeinsam mit Karl Kaiser

1928 Rückkehr aus Davos im August, Austritt aus der KPD, Eintritt in die KPO , im Dezember

Heirat mit Karl Kaiser, Umzug in die Barbarossastraße in Berlin

1931 Umzug nach Heilbronn 

1934 Aufbau der Widerstandsgruppe

1935 Umzug nach Mannheim 

1936 erste Verhaftung von Sascha und Karl Kaiser 

1938 Verhaftung am 18. August, Beginn der U-Haft

1939 Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilt Sascha Kaiser ‚wegen eines Verbrechens der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens‘ zu 3 Jahren und 9 Monate Zuchthaus, die Erzählungen von Sascha Kaiser (Erinnerungen M. Scheele) zufolge in Einzelhaft verbracht wurden, ihre Tätigkeiten in den Zuchthäusern Aichach (Bayern) und Hagenau (Elsass) bestanden in Hand- und Bibliotheksarbeiten 

1942 Entlassung im Februar, Wohnsitz Berlin-Lankwitz, Beethovenstraße, wöchentliche Meldung bei der Gestapo am Alexanderplatz

1943 zur Arbeit im Rüstungsbetrieb ‚Opta- Radio‘ Berlin-Steglitz kriegsverpflichtet, sabotiert die Endkontrolle, wo sie eingesetzt wurde, Ende der Tätigkeit nach erneuter TBC – Erkrankung

1945 Engagiert sich in der Aktion ‚Rettet Kinder‘, arbeitet mit Änne Saefkow, ihr Mann wurde im September 1944 als Leiter einer der größten deutschen Widerstandsgruppen hingerichtet, zusammen. Nahrung und Textilien, die in Steglitz keine Verwendung fanden, wurden in andere Stadtbezirke umverteilt.

1946 Delegierte auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD zur SED am 21./22. April

1947 Umzug nach Lichterfelde in die Hartmannstraße, Beginn der Tätigkeit als Referentin in der Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone. Sascha wertete Fragebögen aus. Diese mussten von Antragstellern, die den offiziellen Status eines ‚Opfers des Faschismus‘ erlangen wollten, ausgefüllt werden.

1949 Sascha und Karl Kaiser ziehen in folge der Währungsreform in den Westsektoren in den sowjetischen Sektor von Berlin, ihre letzte Wohnstätte befindet sich in der Herrenhausstr.7 in Berlin-Johannisthal, Sascha wird Oberreferentin im Ministerium für Justiz der DDR, übt verschiedene gesellschaftliche Funktionen aus, Sekretär der Wohnparteiorganisation, Vorsitzende des Aktivs für Handel und Versorgung, Vorsitzende des örtlichen Friedenskomitees

1951 Mit einer erneuten TBC – Erkrankung endet die Berufstätigkeit von Sascha

1952 Aberkennung ihrer Parteizugehörigkeit seit 1918

1955 Sascha wird berentet

1965 Anerkennung ihrer Parteizugehörigkeit seit 1918

1979 Auszeichnung mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze

1983 Sascha Kaiser stirbt am 25. März

Biographischer Auszug aus „Sascha und Karl Kaiser – Erinnerungen und biographische Notizen“ von Martin Scheele. Mehr Erläuterungen  zu Details im Originaltext des Autors Martin Scheele

 

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