Fotograf Bothner, 1930, LMZ, Kolorierung jp
Nach 70 Jahren lässt sich die Schönheit der Barockkirche wieder in Farbe erahnen – als Vorbild der Kolorierung verwendete ‚Zeitsprünge‘ den einzigen kleinen Bereich in der Kirche, in der die Barockelemente wiederhergestellt wurde (Decke der kleinen Nordkapelle, siehe unten). Der pastellgelbe Hintergrund folgt vermutlich einem historischen Vorbild, doch waren die Decken zeitweise auch weiß und mit Marmoreffekt bemalt.

Marienmonogramm der Nordkapelle, P Schmelzle CC BY SA 3.0

Baumeister im Barock war Franz Josef Roth – mehr dazu im eigenen Kapitel , weitere Vergrößerungen und Details gibt es hier
Max Georg Mayer, der die alte Kirche noch erlebte, bestätigte den rötlichen Grundton des Stuckmarmors der Altäre ( in der Kolorierung nur angedeutet, im Original war es farblich sicher viel differenzierter).
Von der Wallfahrtskirche zum Deutschordensmünster
Der Marienkult im Spätmittelalter machte die Ordenskirche populär, die in der Gründungszeit des Deutschen Ordens um 1225 bis 1235 erbaut wurde. Wegen des großen Andrangs der Pilger zur Wallfahrtskirche wurde der romanische Bau schließlich 1340-1360 um einen größeren, gotischen Bau erweitert.

farbige Grafik jp nach s/w Grundrissen wiki
oben: die romanische Kirche (orange) wurde 1600-1602 verkürzt (grau)

um 1835, StA Hn, Nachkolorierung jp
Mit der Reformation verlor der Wallfahrtsort an Bedeutung, der Deutschhof wurde eine katholische Enklave in der protestantischen Stadt. Im 18. Jahrhundert wurde das Deutschordensmünster mit großem Aufwand im Stil des Barock inszeniert. Für die Gegenreformation war der barocke Überschwang, der überwältigende, ästhetische Reichtum ein propagandistisches Mittel. Und so kam Heilbronn zu einem der schönsten Barockkirchen in Süddeutschland.
Der Tessiner Maler Antonio Colomba wurde im Jahr 1721 mit der Ausmalung der Kirche beauftragt. Er war ein teurer Star seiner Zeit. Heute kann man seine Werke noch in Ludwigsburg entdecken, wie unten der Ausschnitt der Deckenmalerei in der Schlosskirche Ludwigsburg.

Deckemalerei der Schloßkirche Ludwigsburg von Antonio Colomba
Vor dem Auftrag in Heilbronn malte Colomba den Kuppelsaal im Schloß Ludwigsburg, der hier im 360-Grad Panoramabild betrachtet werden kann und die volle Prachtentfaltung seines Stils zeigt.
Auch mit ihren Türmen wetteiferten Katholiken und Protestanten.

Immanuel Hartmann StA Ha
Die Katholiken wollten einen möglichst hohen Turm in der protestantischen Stadt, mit einer erweiterten Holzkonstruktion streckte sich der Turm so hoch als möglich. Im Krieg brannte die Holzkonstruktion ab. Die Turmspitze wurde schlichter und niedriger wieder aufgebaut.

(u) StA Hn
Anton Stegmann, Pfarrer von St. Peter und Paul 1922 bis 1946, wurde von den Nazis mehrfach misshandelt, 1934 von einem SA-Trupp überfallen, im Leiterwagen grölend durch die Stadt gezogen und anschließend verhaftet. Stegmann wurde 1935 die Lehrerlaubnis entzogen, unter anderem, weil er einem Rektor den Hitlergruß verweigerte.pp4
Als Verfolgter des Hitler-Nazi-Regimes stand er ab 1940 auf der Todesliste, berichtet die Pfarrgemeinde, Zitat: „Seine leibliche Schwester Regina Stegmann half, Verstecke zu finden und wurde dafür gefoltert, blutig geschlagen, weil sie ihren Bruder nicht verraten hat“.pp2 Max Georg Mayer erinnert sich, daß der Schreiner Wörner für Pfarrer Stegmann auf der Empore ein Nachtlager baute, dort versteckte er sich, wenn er den Überfall von Nazis fürchtete – oder hielt vermutlich Wache, wenn es galt, bei Angriffen Phosporbomben mit Sand abzudecken. Max Georg Mayer half als Kind, die Sandsäcke in der Kirche einzurichten. Am Ende wurden am 4. Dezember 1944 Kirche und Pfarrwohnung mit 20 000 Büchern zerstört, mit allen theologischen Werken Stegmanns, darunter viele liebevolle Übersetzungen griechischer Urtexte, von denen man sich hier ein Bild machen kann (Stegmann über die Seele der Tiere).
Der Stadtpfarrer berichtete: „Als ich als letzter Augenzeuge in der brennenden Kirche stand, da sah ich nur, wie das von Phosphorbomben entfachte und genährte Feuer den Altar und die Orgel zuerst erfaßt hatte, wie dann die Bänke und die Tore mitbrannten. Der Sturm hatte mit rasender Eile fasst alle brennbaren Teile der Kirche erfaßt. “ pp1
nach 1944

Fotograf Bothner, 1946, LMZ
Kapitel Sankt Peter und Paul und seine Baumeister im Barock – weitere Vergrößerungen und Ausschnitte
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Quellen des Artikels Sankt Peter und Paul:
pp1
aus: Tessiner Künstler in Europa 13.-19. Jahrhundert, Webseite von Ursula Stevens,
Castel San Pietro, Tessin
siehe auch S. 54 in Der Deutschhof in Heilbronn im Wandel der Jahrhunderte, Norbert Jung, , Heilbronn 1968, Eigenverlag
pp2
Homepage der Deutschordenpfarrei St. Peter und Paul, Kapitel über die Geschichte der Pfarrer der Kirche seit 1806
pp3
750 Jahre Deutschordenskommende Heilbronn, 1977, Pfarramt St. Peter und Paul, Heilbronn
pp4
Susanne Schlösser, Die Heilbronner NSDAP und ihre „Führer“ , heilbronnica 2,Beiträge zur Stadtgeschichte, Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn 15
2003, Hrsg. Christhard Schrenk und Peter Wanner, Stadtarchiv Heilbronn
Sonstige Quellen:
Vom Ordenshaus zum Kulturzentrum, Walter Hirschmann, Peter Wanner, Stadtarchiv Heilbronn, 2002
Lexikoneintrag über den Deutschhof Heilbronn auf wikipedia
Der Deutschhof in Heilbronn im Wandel der Jahrhunderte, Norbert Jung, , Heilbronn 1968, Eigenverlag
