Klostergasse

Klostergasse 1935, Fotograf Bothner, LMZ

Die Klostergasse, die am Kiliansplatz begann, ist heute vom Einkaufszentrum der Kilianspassagen überbaut. Die  Querverbindung von der Kaiserstraße zur Kilianstraße existiert noch. In der Zeit der Reichsstadt wohnte die städtische Oberschicht in der Klostergasse. Der Reformator Johann Lachmann lebte hier 1526 im alemannischen Fachwerkbau links im Foto, das  1433 erbaut wurde.

Der Name Klostergasse geht auf das Kloster der heiligen Klara von Assisi am südlichen Ende der Gasse zurück, das von 1289 bis 1803 bestand.

Die Klarissen suchten anfangs Schutz in den Stadtmauern, erlebten später unruhige Zeiten in der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg, konnten sich jedoch trotz Repressionen und zeitweiliger Vertreibung lange in der protestantischen Stadt behaupten, vermutlich dank ihrer starken Basis mit vielen Besitztümern in den umliegenden Gemeinden. Die Franziskaner in der Stadt (Barfüßer), die von Almosen lebten, wurden bereits im 16. Jahrhundert verdrängt.

vor 1944, StA Hn (u) dig jp

Im Lachmannhaus (links im Bild)  wurde 1825 Adolf Cluss geboren, der später zum inneren Kreis der ersten Kommunisten um Karl Marx gehörte, doch bereits September 1848 in die USA auswanderte. In Washington entwarf er später als Architekt viele prägende Gebäude – ein  1848er mit starker Persönlichkeit.

Adolf Cluss 1880 in den USA, (u) gemeinfrei, wiki

Unten eines der schönsten Fachwerkbauten in der Klostergasse, hier war lange Zeit das  Dekanat. Links führt die Klostergasse zur Kilianskirche, rechts zur Kaiserstraße.

zwischen 1937 und 1944 (u) StA Hn

Im Lauf des 19. Jahrhunderts war die Klostergasse nicht mehr zeitgemäß für das aufstrebende Bürgertum, das langsam  in die neuen Gründerzeitvillen außerhalb des Stadtrings zog.  Der schöne Bau oben wurde 1905  Herberge zur Heimat, in der Wanderarbeiter und Obdachlose unterkamen.  Ab 1940 waren hier Zwangarbeiter untergebracht. 33 von ihnen starben am 4.12.1944 beim Bombenagriff.

StA Hn (u)

Russische Zwangarbeiterinnen am Bahnhof Heilbronn, interpretiert das Stadtarchiv dieses Foto aus einem  Dachbodenfund. 14000 Zwangsarbeiter waren im Heilbronner Bezirk des Arbeitsamtes im Jahr 1944 registriert. Die meisten Zwangsarbeiter waren in  Baracken in Sammellager außerhalb der Stadt untergebracht, ein paar Dutzend in der Klostergasse.

Unten: Französische Kriegsgefangene 1940/41 beim Schneeschippen in der Kaiserstraße wenige Schritte von der Klostergasse entfernt.

StA Hn

Von der Klostergasse nach Theriesenstadt: der lange Weg des berühmten Arztes Hermann Strauß

In  der Klostergasse 9 wurde  im Jahr 1868 Hermann Strauß geboren, der später als Arzt in der Berliner Charité mit über hundert Publikationen für den medizinischen Fortschritt beitrug, doch ab 1933  als Jude Verfolgungen ausgesetzt war und am Ende im KZ Theresienstadt starb. Wie Siegfried Gumbel hätte er emigrieren können, doch wollte er wie Gumbel bis zum Schluß in Deutschland niemanden im Stich lassen und anderen helfen.

Klostergasse mit Blick auf Kaiserstraße

Klostergasse 1943, LMZ

Viele weitere, interessante Persönlichkeiten lebten in der Klostergasse, davon einige, die mit der 1848er Revolution verbunden waren, wie zum Beispiel der frühere Verleger von Ludwig Pfau, Carl Drechsler.

StA Hn

 

Weitere Kapitel aus der Serie der verlorenen Straßen und Plätze in Heilbronn:

KieselmarktSchulgasseUntere KilianstraßeJohannisgassealte Fischergassealter Platz am Fleischhaus

 

unterstützt von

Stadtinitiative Heilbronn – Intersport Saemann – Sparkasse Heilbronn – A. Grimmeissen – Volksbank Heilbronn – M. Lindenthal

weitere Kapitel über den interaktiven Stadtplan

Startseite

Danksagung – Quellen  – Datenschutzerklärung – Impressum

unterstützt von Code für Heilbronn, Stadtarchiv Heilbronn u.v.m.